Warum fahren die Briten links?

Wer zum ersten Mal in Großbritannien unterwegs ist, staunt meist nicht schlecht: Autos fahren links, das Lenkrad sitzt rechts – und selbst auf Rolltreppen oder Gehwegen scheint vieles spiegelverkehrt. Tatsächlich hat der Linksverkehr eine Geschichte, die viel älter ist als das Auto. Schon im Mittelalter ritten die meisten Menschen auf der linken Wegseite. Rechtshänder konnten so ihr Schwert mit der stärkeren Hand ziehen und einem möglichen Angreifer leichter begegnen. Links zu reisen galt deshalb lange Zeit als die praktischere und sicherere Variante.
Erst Jahrhunderte später änderte sich das in vielen Ländern Europas. Mit immer größeren Pferdewagen saßen Fuhrleute häufig auf dem linken Zugpferd, um ihre Peitsche besser führen zu können. Dadurch hatten sie den Gegenverkehr besser im Blick, wenn sie rechts fuhren. Besonders prägend war anschließend Napoleon, der in den von ihm eroberten Gebieten den Rechtsverkehr einführte. Großbritannien blieb davon jedoch unberührt und hielt an seiner traditionellen Fahrtrichtung fest.
Als das Automobil seinen Siegeszug antrat, war der Linksverkehr auf der Insel längst fest etabliert. Statt das gesamte Straßennetz, alle Fahrzeuge und Gewohnheiten umzustellen, blieb man beim Bewährten. Heute fahren deshalb nicht nur das Vereinigte Königreich, sondern auch Länder wie Irland, Australien, Neuseeland, Japan oder Indien links – oft als historisches Erbe der britischen Vergangenheit. Weltweit ist der Rechtsverkehr zwar die Regel, doch rund ein Drittel der Menschen lebt bis heute in Ländern mit Linksverkehr.



