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Haben wir die deut­schen Auto­bah­nen wirk­lich Hit­ler zu ver­dan­ken?

Die Vor­stel­lung, die deut­schen Auto­bah­nen sei­en eine Erfin­dung von Adolf Hit­ler, hält sich hart­nä­ckig – ist his­to­risch aber ver­kürzt. Tat­säch­lich gab es schon in der Paul von Hin­den­burg-Ära kon­kre­te Pla­nun­gen für kreu­zungs­freie Schnell­stra­ßen. Bereits 1921 wur­de in Ber­lin die AVUS als rei­ne Auto­stra­ße eröff­net, und in den 1920er-Jah­ren exis­tier­ten detail­lier­te Kon­zep­te für ein lan­des­wei­tes Netz. Die Idee war also älter als das NS-Regime.

Als die Natio­nal­so­zia­lis­ten 1933 an die Macht kamen, grif­fen sie die­se Plä­ne auf und mach­ten sie zum Pres­ti­ge­pro­jekt. Der Bau der „Reichs­au­to­bah­nen“ wur­de pro­pa­gan­dis­tisch aus­ge­schlach­tet: als Sym­bol tech­ni­scher Moder­ni­tät, natio­na­ler Stär­ke und angeb­li­cher Arbeits­be­schaf­fung. In Wirk­lich­keit war der Beschäf­ti­gungs­ef­fekt begrenzt, vie­le Stre­cken waren wirt­schaft­lich wenig sinn­voll, und mili­tä­risch spiel­ten sie zunächst eine gerin­ge­re Rol­le als oft behaup­tet. Der Auto­bahn­bau war weni­ger Geburts­stun­de als viel­mehr gigan­ti­sches PR-Instru­ment.

Kurz gesagt: Nein, wir „ver­dan­ken“ die Auto­bah­nen nicht Hit­ler. Er hat ein bereits exis­tie­ren­des Kon­zept poli­tisch instru­men­ta­li­siert und mas­siv aus­ge­baut – und es erfolg­reich mit sei­ner Per­son ver­knüpft. Dass die­ses Nar­ra­tiv bis heu­te nach­wirkt, sagt min­des­tens so viel über die Macht der Pro­pa­gan­da wie über die Stra­ßen selbst.