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War­um ist Gäh­nen anste­ckend?

Anste­cken­des Gäh­nen ist kein Zufall, son­dern ein sozia­les Echo. Wenn wir jeman­den gäh­nen sehen oder sogar nur dar­an den­ken, akti­vie­ren sich im Gehirn Spie­gel­neu­ro­nen – Netz­wer­ke, die dafür zustän­dig sind, Hand­lun­gen und Zustän­de ande­rer inner­lich mit­zu­voll­zie­hen. Unser Ner­ven­sys­tem fragt unbe­wusst: In wel­chem Zustand ist der ande­re – und soll­te ich mich anglei­chen? Das eige­ne Gäh­nen ist die kör­per­li­che Ant­wort auf die­se Fra­ge.

Dabei geht es weni­ger um Müdig­keit als um Syn­chro­ni­sa­ti­on. Grup­pen funk­tio­nie­ren bes­ser, wenn ihre Mit­glie­der in ähn­li­chen Akti­vie­rungs­zu­stän­den sind: wach oder ruhig, auf­merk­sam oder erschöpft. Gäh­nen wirkt wie ein Takt­ge­ber, der inne­re Rhyth­men angleicht. Des­halb ist es beson­ders anste­ckend bei Men­schen, zu denen wir eine emo­tio­na­le Nähe emp­fin­den. Empa­thie ver­stärkt den Effekt – Distanz schwächt ihn ab.

Inter­es­san­ter­wei­se gäh­nen Kin­der erst dann anste­ckend, wenn sich ihre sozia­le Wahr­neh­mung ent­wi­ckelt, und auch bei Erwach­se­nen hängt die Ansteck­bar­keit stark von Auf­merk­sam­keit und Ver­bun­den­heit ab. Gäh­nen ist damit mehr als ein Reflex: Es ist ein lei­ser Beweis dafür, dass wir sozia­le Wesen sind, deren Kör­per stän­dig auf ande­re abge­stimmt blei­ben wol­len – oft, ohne dass wir es mer­ken.