Warum bekommen Männer eine Glatze?

Die klassische Männerglatze ist weniger Schicksal als Chemie. Entscheidend ist nicht Testosteron selbst, sondern sein Abbauprodukt Dihydrotestosteron (DHT). Bei genetisch empfindlichen Haarfollikeln – vor allem an Stirn und Oberkopf – bindet DHT an die Haarwurzel und verkürzt schrittweise die Wachstumsphase. Die Haare werden dünner, kürzer, feiner, bis der Follikel schließlich in eine Art Ruhestand geht. Nicht der Mangel an Hormonen macht kahl, sondern ihre Wirkung am falschen Ort.
Warum betrifft das vor allem Männer? Weil ihr Hormonhaushalt deutlich mehr Testosteron produziert und damit auch mehr DHT. Frauen haben ebenfalls DHT, aber in geringerer Konzentration und mit meist weniger empfindlichen Haarfollikeln. Entscheidend ist zudem die Veranlagung: Wer die entsprechenden Gene trägt, reagiert stärker auf DHT. Deshalb kann der eine mit siebzig volles Haar haben, während der andere mit dreißig eine hohe Stirn bekommt – beides ist biologisch korrekt.
Evolutionär ist die Glatze kein Defekt, sondern neutral. Sie beeinträchtigt weder Überleben noch Fortpflanzung, also gab es keinen Druck, sie „wegzuzüchten“. Im Gegenteil: In vielen Kulturen wurde Haarverlust sogar mit Reife, Autorität oder Erfahrung verbunden. Die Männerglatze erzählt daher keine Geschichte von Verfall, sondern von Hormonen, Genetik und Zeit. Der Körper verändert sich – und zeigt dabei offen, wie er funktioniert.



