Warum können Spechte klopfen, ohne Kopfschmerzen zu bekommen?

Ein Specht hämmert mit seinem Schnabel bis zu 20 Mal pro Sekunde gegen einen Baum – und das mit einer Wucht, die beim Menschen vermutlich sofort zu einer schweren Gehirnerschütterung führen würde. Umso erstaunlicher ist die Frage: Warum bekommt ein Specht davon keine Kopfschmerzen?
Das Geheimnis liegt in einer ganzen Reihe ausgeklügelter Anpassungen. Der Schädel eines Spechts ist besonders stabil gebaut und verteilt die beim Klopfen entstehenden Kräfte gleichmäßig. Zwischen Schnabel und Schädel befinden sich elastische Strukturen, die einen Teil der Erschütterungen abfangen. Zudem sitzt das Gehirn sehr eng im Schädel und hat kaum Spielraum, gegen die Knochenwand zu prallen. Auch die kräftigen Nackenmuskeln und die gerade Schlagrichtung sorgen dafür, dass die Belastung möglichst kontrolliert bleibt. Lange vermutete man außerdem, das Zungenbein wirke wie ein Sicherheitsgurt um den Schädel. Neuere Forschungen gehen jedoch davon aus, dass seine Rolle als Stoßdämpfer deutlich geringer ist als früher angenommen.
Trotz all dieser Schutzmechanismen ist der Specht kein unverwundbarer Superheld. Vielmehr zeigt die Natur, wie mehrere clevere Lösungen zusammenwirken können, um eine extreme Belastung beherrschbar zu machen. Genau deshalb können Spechte Tag für Tag an Baumstämmen hämmern – auf der Suche nach Nahrung, beim Bau ihrer Höhlen oder um ihr Revier weithin hörbar zu markieren.



