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War­um kann man sich nicht sel­ber kit­zeln?

Kit­zeln lebt vom Über­ra­schungs­mo­ment – und genau das fehlt, wenn wir es selbst ver­su­chen. Unser Gehirn ist ein exzel­len­ter Vor­her­sa­ge­ap­pa­rat. Jede selbst aus­ge­lös­te Bewe­gung wird im Klein­hirn vor­ab berech­net: Zeit­punkt, Ort und Inten­si­tät sind bekannt, noch bevor die Berüh­rung statt­fin­det. Die ein­tref­fen­den Sin­nes­rei­ze wer­den des­halb abge­schwächt, fast wie auto­ma­tisch lei­ser gedreht. Was vor­her­seh­bar ist, wirkt harm­los.

Kit­zeln hin­ge­gen ist eine sozia­le Alarm­re­ak­ti­on. Es akti­viert Area­le, die auch bei uner­war­te­ter Nähe oder poten­zi­el­ler Bedro­hung ansprin­gen. Das Lachen ist kein Zei­chen von Spaß, son­dern von Kon­troll­ver­lust bei gleich­zei­ti­ger Sicher­heit: Jemand kommt mir zu nah, aber ich bin nicht in Gefahr. Die­se Mischung aus Über­ra­schung, Nähe und leich­ter Über­for­de­rung kann man sich selbst nicht glaub­haft erzeu­gen.

Im Kern erzählt das Kit­zeln etwas sehr Mensch­li­ches. Unser Ner­ven­sys­tem unter­schei­det scharf zwi­schen „ich“ und „die ande­ren“. Nur wenn etwas von außen kommt, darf es uns aus dem Gleich­ge­wicht brin­gen. Sich selbst zu kit­zeln wäre, als wür­de man sich selbst erschre­cken – das Gehirn kennt den Trick schon, bevor er beginnt.