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War­um waren Men­schen frü­her klei­ner?

Dass Men­schen frü­her klei­ner waren, lag nicht an einer „ande­ren Natur“, son­dern an här­te­ren Lebens­be­din­gun­gen. Kör­per­grö­ße ist kein fes­tes Erb­gut­merk­mal, son­dern ein sen­si­bles Ergeb­nis aus Ernäh­rung, Gesund­heit und Belas­tung in den ers­ten Lebens­jah­ren. Über Jahr­tau­sen­de wuch­sen Kin­der unter Bedin­gun­gen auf, die Wachs­tum eher brems­ten als för­der­ten: knap­pe Kalo­rien, wenig tie­ri­sches Eiweiß, wie­der­keh­ren­der Hun­ger und Krank­hei­ten, die dem Kör­per Ener­gie raub­ten, bevor sie in Kno­chen und Mus­keln flie­ßen konn­te.

Hin­zu kamen Infek­tio­nen, die heu­te banal wir­ken, frü­her aber dau­er­haft am Orga­nis­mus zehr­ten. Der Kör­per prio­ri­sier­te Über­le­ben vor Wachs­tum. Wer oft krank war oder Para­si­ten hat­te, blieb klei­ner – nicht, weil Gene fehl­ten, son­dern weil der Bau­plan nie voll­stän­dig umge­setzt wer­den konn­te. Grö­ße war Luxus. Erst mit sta­bi­le­rer Land­wirt­schaft, sau­be­rem Was­ser, medi­zi­ni­schem Fort­schritt und bes­se­rer Ver­sor­gung wur­de Wachs­tum zur Regel statt zur Aus­nah­me.

Inter­es­sant ist: Die Gene waren immer schon da. Sobald sich die Umwelt änder­te, wuch­sen Men­schen inner­halb weni­ger Gene­ra­tio­nen deut­lich. Unse­re heu­ti­ge Kör­per­grö­ße ist des­halb kein Zei­chen von „Wei­ter­ent­wick­lung“, son­dern von Ent­las­tung. Wir sind grö­ßer, weil unser Kör­per end­lich bekommt, was er braucht – und nicht mehr stän­dig gezwun­gen ist, sich klein zu hal­ten, um durch­zu­kom­men.