Warum haben manche Menschen Locken?

Ob Haare glatt fallen oder sich zu Locken winden, entscheidet sich tief unter der Kopfhaut. Der Schlüssel liegt im Haarfollikel – also der kleinen “Produktionsstätte”, aus der jedes Haar wächst. Ist der Follikel rund, wächst das Haar meist gerade. Ist er dagegen oval oder leicht gebogen, entsteht beim Wachstum eine ungleichmäßige Spannung, sodass sich das Haar spiralig oder wellig formt. Zusätzlich spielen Keratin und seine stabilisierenden Disulfidbrücken (Schwefelbindungen) eine wichtige Rolle: Sie verleihen dem Haar Festigkeit und verstärken die charakteristische Krümmung.
Ob jemand glatte Haare, Wellen oder enge Locken hat, wird von vielen Genen gemeinsam bestimmt. Sie beeinflussen unter anderem die Form des Haarfollikels, die Haarstärke, Elastizität und Feuchtigkeitsbindung. Deshalb gibt es kein einfaches „Locken-Gen“, sondern eine große Vielfalt an Haarstrukturen. Auch Hormone können das Haar verändern, weshalb sich Locken im Laufe des Lebens verstärken, abschwächen oder sogar ganz neu entstehen können – etwa in der Pubertät, während einer Schwangerschaft oder im Alter.
Lockiges Haar ist keineswegs ein Zufall der Natur. Forschende vermuten, dass Locken in warmen Klimazonen sogar einen evolutionären Vorteil boten: Sie lassen Luft besser an die Kopfhaut gelangen und schützen gleichzeitig vor intensiver Sonneneinstrahlung. Glattes Haar speichert dagegen Wärme etwas besser. Locken sind also keine Laune der Gene, sondern eine faszinierende Anpassung – und ein schönes Beispiel dafür, wie vielfältig der menschliche Körper selbst bei einem einzelnen Haar sein kann.



