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War­um schlies­sen wir beim Nie­sen die Augen?

Beim Nie­sen schlie­ßen wir die Augen nicht aus Höf­lich­keit, son­dern aus Reflex. Der Nies­reiz ist eine explo­si­ve Schutz­re­ak­ti­on: Luft wird mit enor­mem Druck aus der Lun­ge gepresst, um Reiz­stof­fe aus Nase und Rachen zu schleu­dern. Dabei feu­ert ein kom­ple­xes Netz­werk aus Ner­ven­im­pul­sen, das Gesicht, Atem­we­ge und Augen­mus­ku­la­tur gleich­zei­tig akti­viert. Das Schlie­ßen der Augen ist Teil die­ses fest ver­drah­te­ten Pro­gramms – auto­ma­tisch, nicht wil­lent­lich.

Phy­sio­lo­gisch ergibt das Sinn. Beim Nie­sen stei­gen kurz­zei­tig Druck und Mus­kel­span­nung im gesam­ten Kopf­be­reich. Das Auge ist ein emp­find­li­ches Sin­nes­or­gan, und der Lid­schluss schützt es reflex­haft vor Fremd­par­ti­keln, die durch den Luft­stoß auf­ge­wir­belt wer­den könn­ten. Es ist die­sel­be Logik wie beim Blin­zeln: bes­ser kurz abdich­ten als ris­kie­ren, dass etwas ins Auge gerät. Dass man die Augen dabei „nicht offen hal­ten kann“, liegt dar­an, dass der Reflex stär­ker ist als bewuss­te Kon­trol­le.

Der Mythos, man kön­ne beim Nie­sen mit offe­nen Augen Scha­den neh­men oder gar „Augen ver­lie­ren“, stimmt zwar nicht – aber er zeigt, wie wuch­tig die­ser Reflex wahr­ge­nom­men wird. Nie­sen ist kein klei­ner Schnup­fer, son­dern ein koor­di­nier­ter Ganz­kör­per­stoß. Das Augen­schlie­ßen ist dabei kein Neben­ef­fekt, son­dern ein stil­ler Sicher­heits­me­cha­nis­mus: Der Kör­per schützt, was beson­ders schüt­zens­wert ist, ohne uns vor­her zu fra­gen.