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Wie fin­det ein Eich­hörn­chen sei­ne Nüs­se wie­der?

Ein Eich­hörn­chen fin­det sei­ne Nüs­se nicht wie­der, indem es sich jede ein­zel­ne merkt, son­dern indem es Raum ver­steht. Es spei­chert kei­ne „Lis­te von Ver­ste­cken“, son­dern baut eine inne­re Kar­te sei­ner Umge­bung auf. Bäu­me, Wur­zeln, Stei­ne, Gelän­de­kan­ten und sogar Licht­ver­hält­nis­se die­nen als Anker­punk­te. Die Nuss liegt dann nicht hier, son­dern dort, wo die­ser Baum so steht und der Boden so fällt. Das Gedächt­nis arbei­tet räum­lich, nicht kata­log­ar­tig.

Ent­schei­dend ist dabei: Eich­hörn­chen ver­las­sen sich kaum auf ihren Geruch. Ent­ge­gen einem ver­brei­te­ten Mythos rie­chen sie die Nüs­se nicht ein­fach wie­der aus. Der Boden ist vol­ler Fremd­ge­rü­che, Feuch­tig­keit, Ver­fall. Statt­des­sen erin­nern sie sich an den Ort und gra­ben dort gezielt. Erstaun­lich prä­zi­se – und doch nicht per­fekt. Ein Teil der Vor­rä­te bleibt unauf­find­bar, was öko­lo­gisch sogar erwünscht ist: Aus ver­ges­se­nen Nüs­sen wer­den neue Bäu­me.

So ent­steht ein schö­nes Para­dox. Eich­hörn­chen han­deln aus Eigen­in­ter­es­se und sichern ihr Über­le­ben, doch ihr unvoll­kom­me­nes Gedächt­nis macht sie zu unbe­ab­sich­tig­ten Förs­tern. Sie erin­nern genug, um durch den Win­ter zu kom­men – und ver­ges­sen genug, um Wäl­der wach­sen zu las­sen.