Woher hat das Muttermal seinen Namen?

Das Wort „Muttermal“ klingt, als hätte es etwas Zärtliches – beinahe Familiäres. Tatsächlich spiegelt der Name einen alten Volksglauben. Im Mittelalter und noch lange darüber hinaus war man überzeugt, bestimmte Hautmale entstünden durch Eindrücke oder Erlebnisse der Mutter während der Schwangerschaft: ein Schreck, ein starkes Verlangen, ein intensiver Anblick. Man sprach von „Versehen“ – die Vorstellung, dass sich ein emotionaler Impuls der Mutter als sichtbares Zeichen auf der Haut des Kindes niederschlage. So wurde das Mal der „Mutter“ zugeschrieben.
Medizinisch hat das natürlich keinen Bestand. Ein Muttermal – heute meist als Nävus bezeichnet – entsteht durch eine lokale Ansammlung pigmentbildender Zellen (Melanozyten) oder durch Gefäßveränderungen. Es ist also ein entwicklungsbiologisches Phänomen, kein gespeicherter Gefühlsabdruck. Der alte Name aber blieb – wie so viele Wörter, die mehr von Weltbildern erzählen als von Wissenschaft.
Vielleicht fasziniert uns der Begriff bis heute gerade deshalb: Er verbindet Biologie mit Beziehung. Auch wenn wir wissen, dass Gene und Zellteilungen am Werk sind – im Klang des Wortes schwingt noch immer die Idee mit, dass zwischen Mutter und Kind etwas Unsichtbares Spuren hinterlässt.



