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War­um errö­ten wir – und kön­nen wir das ver­hin­dern?

Errö­ten ist eines der weni­gen Gefüh­le, die man sehen kann. Wenn wir uns schä­men, ertappt oder plötz­lich im Mit­tel­punkt füh­len, über­nimmt ein uraltes Pro­gramm das Steu­er: Der Sym­pa­thi­kus – also jener Teil unse­res Ner­ven­sys­tems, der auch bei Stress anspringt – wei­tet blitz­schnell die fei­nen Blut­ge­fä­ße im Gesicht. Mehr Blut, mehr Wär­me, mehr Rot. Anders als Schwit­zen oder Zit­tern betrifft die­se Reak­ti­on fast aus­schließ­lich das Gesicht – aus­ge­rech­net die Büh­ne unse­rer sozia­len Iden­ti­tät. Charles Dar­win hielt das Errö­ten für die „mensch­lichs­te aller Aus­drucks­for­men“, weil es so eng mit Selbst­be­wusst­sein und sozia­ler Bewer­tung ver­knüpft ist.

Span­nend ist: Wir errö­ten nicht nur aus Scham, son­dern auch bei Kom­pli­men­ten, Ver­liebt­heit oder uner­war­te­ter Auf­merk­sam­keit. Es ist also weni­ger ein Zei­chen von Schwä­che als ein Signal von sozia­ler Fein­füh­lig­keit. Stu­di­en zei­gen sogar, dass Men­schen Errö­ten oft als Sym­pa­thie­merk­mal wahr­neh­men – es wirkt ehr­lich, ver­letz­lich und ver­trau­ens­wür­dig. Das Gesicht ver­rät: „Mir ist bewusst, was hier gera­de pas­siert.“ In einer Spe­zi­es, die stark über sozia­le Bin­dung funk­tio­niert, ist das kein Defekt, son­dern ein sozia­les Werk­zeug.

Und ver­hin­dern? Kaum direkt. Wer ver­sucht, das Errö­ten zu unter­drü­cken, akti­viert meist noch mehr Auf­merk­sam­keit – und damit noch mehr Durch­blu­tung. Was hilft, ist para­do­xe Akzep­tanz: das Phä­no­men nicht bekämp­fen, son­dern inner­lich zulas­sen. Wer sich sagt „Dann wer­de ich eben rot“ nimmt dem Sym­pa­thi­kus den Kampf­auf­trag. Iro­ni­scher­wei­se errö­tet man oft weni­ger, wenn man auf­hört, es ver­mei­den zu wol­len.