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Wird es jemals mög­lich sein, Gedan­ken zu lesen und zu über­tra­gen?

Der Traum, Gedan­ken direkt aus­zu­le­sen oder gar zu über­tra­gen, klingt nach Sci­ence-Fic­tion, aber die For­schung kommt die­sem Ziel in klei­nen, beein­dru­cken­den Schrit­ten näher. Schon heu­te kön­nen Gehirn-Com­pu­ter-Schnitt­stel­len (BCIs) elek­tri­sche Akti­vi­tät des Gehirns mes­sen und in ein­fa­che Befeh­le über­set­zen. Gelähm­te Men­schen kön­nen mit implan­tier­ten Elek­tro­den Wör­ter tip­pen oder Robo­ter­ar­me steu­ern, indem sie an bestimm­te Bewe­gun­gen den­ken. Auch bild­ge­ben­de Ver­fah­ren wie funk­tio­nel­le MRT ermög­li­chen, Akti­vi­täts­mus­ter im Gehirn so zu inter­pre­tie­ren, dass sich ein­fa­che visu­el­le Vor­stel­lun­gen rekon­stru­ie­ren las­sen – zum Bei­spiel gro­be For­men, die eine Per­son gera­de sieht oder sich vor­stellt.

Doch „Gedan­ken­le­sen“ im wört­li­chen Sinn ist noch sehr weit ent­fernt. Gedan­ken bestehen nicht aus ein­zel­nen Codes, die ein­fach ent­schlüs­selt wer­den kön­nen, son­dern aus kom­ple­xen Mus­tern che­mi­scher und elek­tri­scher Pro­zes­se, die indi­vi­du­ell und kon­text­ab­hän­gig sind. Jeder Mensch ver­knüpft Wör­ter, Bil­der und Gefüh­le auf ein­zig­ar­ti­ge Wei­se, und die­se Viel­falt macht eine all­ge­mei­ne „Über­set­zung“ extrem anspruchs­voll. Ähn­lich schwie­rig ist das „Über­tra­gen“ von Gedan­ken, weil es nicht reicht, elek­tri­sche Mus­ter zu kopie­ren – das Ziel­ge­hirn müss­te die­se auch sinn­voll ein­ord­nen kön­nen.

Lang­fris­tig aber könn­te eine Kom­bi­na­ti­on aus KI, Neu­ro­pro­the­tik und immer prä­zi­se­ren Mess­me­tho­den ermög­li­chen, dass zumin­dest ein­fa­che Inhal­te – Zah­len, Wör­ter, visu­el­le Vor­stel­lun­gen – zwi­schen Gehir­nen oder über Schnitt­stel­len über­tra­gen wer­den. Sol­che Ansät­ze wer­fen jedoch auch enor­me ethi­sche Fra­gen auf: über Pri­vat­sphä­re, Mani­pu­la­ti­on und Iden­ti­tät. Die Wis­sen­schaft zeigt also: Die Rich­tung stimmt, aber bis zur ech­ten Gedan­ken­über­tra­gung bleibt der Weg weit – und vol­ler Dis­kus­sio­nen dar­über, wie viel wir davon über­haupt wol­len.