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War­um sieht der Maul­wurf so schlecht?

Der Maul­wurf sieht schlecht, weil Sehen unter der Erde kaum Nut­zen hat. In sei­nem Lebens­raum gibt es kein Licht, kei­ne Hori­zon­te, kei­ne Fern­sicht. Was dort zählt, sind ande­re Infor­ma­tio­nen: Druck, Vibra­ti­on, Geruch, Rich­tung. Augen wären Bal­last – emp­find­lich, ver­letz­lich, ener­gie­auf­wen­dig. Also hat die Evo­lu­ti­on sie beim Maul­wurf auf das Nötigs­te redu­ziert.

Sei­ne Augen sind win­zig und lie­fern nur gro­be Hel­lig­keits­un­ter­schie­de. Mehr braucht er nicht. Sie sagen ihm nicht was da ist, son­dern höchs­tens ob etwas Licht ein­fällt – etwa wenn ein Gang offen liegt. Dafür sind ande­re Sin­ne extrem ver­fei­nert. Der Tast­sinn in Schnau­ze und Kör­per regis­triert kleins­te Erschüt­te­run­gen. Sein Gehör nimmt Bewe­gun­gen im Boden wahr, sein Geruchs­sinn kar­tiert die Welt in unsicht­ba­ren Spu­ren.

Schlech­tes Sehen ist beim Maul­wurf also kein Defi­zit, son­dern eine Ent­schei­dung der Natur. Er ist kein Tier, dem etwas fehlt, son­dern eines, das per­fekt ange­passt ist. Was für uns Blind­heit wäre, ist für ihn Effi­zi­enz. Sei­ne Welt ist nicht dun­kel – sie ist ein­fach eine ande­re.